Viel mehr als ein Modewort: Was sich hinter Cloud-Computing verbirgt.

Der Geist einer neuen Zeit

Autor: Manfred Beckers, Vorstand Fact Informationssysteme & Consulting AG

Innovation und Wandel gelten seit jeher als maßgebliche Antreiber der IT-Industrie. Es muss kurz nach der Jahrtausendwende gewesen sein, als ich auf einer Branchenkonferenz zum ersten Mal in großen Lettern die Botschaft las: „Der PC ist tot. Es lebe die Cloud“.

Damals schien mir diese Aussage noch vermessen. In vielen Unternehmen eroberten PC-Server gerade erst das Feld und brachten bis dahin unbekannte Rechen- und Speicherleistung auf Abteilungsebene. Doch 20 Jahre später sind Cloud-Lösungen tatsächlich zum festen Bestandteil moderner IT-Landschaften avanciert. Denn Cloud-Dienste sind gereift: Sie funktionieren, werden extensiv genutzt und bringen Unternehmen und ihren Anwendern unübersehbare Vorteile.

IT-Ressourcen auf Abruf

Cloud-Computing steht heute vor allem als Synonym für die bedarfsabhängige Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet. Unternehmen können nach Bedarf Rechenleistung, Speicher, Datenbanken und andere IT-Dienstleistungen in entfernten Rechenzentren eines Cloud-Anbieters in Anspruch nehmen, statt selbst physische Server zu erwerben, zu warten und zu unterhalten ‑ mit allem, was dazu gehört.

Das geschieht in der Regel „on demand“: Nur Dienstleistungen, die man tatsächlich abruft, stehen am Ende auf der Rechnung. Benötigt der Kunde eine Ressource nicht mehr, räumt er sie frei. Benötigt er mehr Leistung, wird diese unmittelbar zur Verfügung gestellt.

Der Cloud-Dienstleister garantiert die erforderliche Elastizität ohne nennenswerten zeitlichen Vorlauf. Kosten entstehen nur für verbrauchte Ressourcen. Das entlastet Budgets, schafft mehr Flexibilität und reduziert den Aufwand für die Anschaffung, Wartung und den Betrieb von IT-Infrastrukturen. Deshalb lieben viele IT-Abteilungen Cloud-Lösungen.

Anwendungen werden mobil

Aus Nutzersicht steht Cloud-Computing außerdem für die Loslösung von festen Arbeitsplätzen, vorgeschriebenen Endgeräten, Betriebssystemen und aufwändiger Software-Einrichtung. Cloud-Lösungen setzen auf moderne Internet-Standards, um ihre Angebote überall verfügbar zu machen. Sie funktionieren, wo Internet-Browser und schnelle Internet-Anbindungen zur Verfügung stehen. Mehr braucht es nicht.

Das ist der Grund, warum sich viele Menschen gar nicht mehr vorstellen können, ihre vertrauten Internet-Dienste und bevorzugten Anwendungen nur an einem bestimmten Ort oder mit einem vorgegebenen Endgerät zu nutzen. Das gilt heute fast schon als antiquiert.

In den Himmel geschaut

Nur was hat das alles mit einer Wolke (engl.: cloud) zu tun? Dieser Begriff kommt ins Spiel, weil das Internet in technischen Abbildungen häufig als Wolkensymbol dargestellt wird. Und wie bei einer Wolke am Himmel bleibt Nutzern auch der Blick in das Innere des Internets in der Regel verwehrt. Es lässt sich nicht so ohne Weiteres ausmachen, wo sich die vielen Server und Vermittlungsknoten befinden, die gemeinsam das erschaffen, was wir als Internet erleben. Aber sie sind da, sonst würde das Ganze nicht funktionieren.

Und das tut es. Schon in diesem Jahr 2021 werden weltweit mehr als 200 Milliarden US-Dollar mit Cloud-Dienstleistungen umgesetzt. Immer mehr Unternehmen und Privatnutzer nehmen Cloud-Dienste ganz selbstverständlich für sich in Anspruch – von Unterhaltungsdiensten über Kommunikationsangebote, Produktivitätsanwendungen, bis hin zu dedizierten Branchenlösungen. Und diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Denn Cloud-Computing trifft einfach den Geist unserer Zeit.

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