Cloud-Computing ist nicht gleich Cloud-Computing. Es kommt auf das passende Betriebsmodell an.

Nicht jeder Anzug sitzt

Autor: Thomas Ulken, Lead Software Architect, Fact Informationssysteme & Consulting AG

Spricht man in diesen Tagen mit Software-Designern und IT-Verantwortlichen über aktuelle Branchentrends, fallen schnell Begriffe wie Künstliche Intelligenz, Extended Reality, Hyperautomation, Distributed Cloud, Multiexperience, 5G und vieles mehr. Alles spannende Entwicklungen mit großem Zukunftspotenzial, kein Zweifel.

Schaut man jedoch, was davon hier und jetzt bereits umgesetzt wird, dann rückt vor allem ein Thema ins Blickfeld: Cloud-Computing. Die Verlagerung von IT-Ressourcen weg von lokalen Arbeitsgruppen-Servern und Rechenzentren in Unternehmen hin zu entfernten Rechenzentren von Cloud-Anbietern ist ein Mega-Trend unserer Zeit. Es passiert jetzt.

Antreiber des Cloud-Computings

Die Motive dafür sind leicht nachvollziehbar und folgen bekannten Mustern: Reduktion von Kapital- und Personal-Kosten, bedarfsgerechte Bereitstellung benötigter Ressourcen, erhöhte Flexibilität, Aufweichung starrer Nutzungsgrenzen hinsichtlich Ort, Zeit und der verfügbaren Endgeräte etc.

Dennoch gilt es genau hinzuschauen, denn auch beim Cloud-Computing haben sich mittlerweile verschiedene Betriebsmodelle etabliert. Und nicht jedes Modell passt für jeden Bedarf.

Drei Modelle stehen im Vordergrund: „Infrastructure as a Service“ (IaaS), „Platform as a Service“ (PaaS) und „Software as a Service“ (SaaS).

Um sie zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den klassischen Betrieb von Server-Anwendungen in Unternehmen (On-Premises). Die folgende Abbildung zeigt den typischen Software- und Hardware-Stack, also die verschiedenen Komponenten, die dabei ineinander greifen.

Struktur von IT-Systemen

Oben befindet sich eine oder mehrere meist branchenspezifische Anwendungen und die von ihnen verwalteten und bearbeiteten Daten. Das ist die Ebene, mit der der Endbenutzer interagiert.

Darunter folgt die Middleware, Software, die übergreifend für verschiedene Anwendungen z.B. Datenbankfunktionen, Transaktionsverarbeitung oder beispielsweise Authentifizierung und Verschlüsselung übernimmt.

Darunter sitzt das Betriebssystem als Mittler zwischen der Software und der Hardware, häufig gefolgt von einer Virtualisierungsebene. Sie hat die Aufgabe, mehrere unterschiedliche Betriebssysteme bzw. Betriebssystem-Instanzen parallel auf einer physischen Hardware auszuführen. Dadurch lassen sich die verfügbaren Hardware-Ressourcen besser ausschöpfen.

Erst daran schließt sich die eigentliche Server-Hardware an: CPU, Speicher, Datenträger und Netzwerkverbindungen.

Bei den verschiedenen Cloud-Modellen geht es nun darum, welche dieser Ebenen vom Cloud-Anbieter gemanagt werden und welche unter der Kontrolle und Aufsicht des Kunden stehen, der seine IT-Ressourcen in die Cloud verlagern möchte.

 

 

Betriebsmodelle des Cloud-Computings vs. Server-Betrieb On-Premises Abbildung: Betriebsmodelle des Cloud-Computings vs. Server-Betrieb On-Premises

 

 

  • Beim klassischen Server-Betrieb unter eigener Regie (On-Premises) ist der Betreiber/das Unternehmen für alle diese Ebenen verantwortlich. Wird zusätzlicher Speicher benötigt, fällt eine Festplatte aus, müssen das Betriebssystem oder andere Komponenten aktualisiert werden – alles eine Aufgabe der jeweiligen IT-Abteilung.
  • Bei „Infrastructure as a Service“ (IaaS) obliegt die Bereitstellung und Wartung der Hardware und die Virtualisierung dem Cloud-Anbieter. Der Kunde kann auf der angebotenen Plattform beliebige Betriebssysteme, Middleware und Anwendungen entfernt über das Internet installieren und ist auch für deren Betrieb und Wartung verantwortlich. Mit der Hardware kommt er nicht in Berührung.
  • Einen Schritt weiter geht „Platform as a Service“ (PaaS). Hier installiert und konfiguriert der Cloud-Anbieter für seine Kunden auch Betriebssystem und Middleware, überwacht deren Betrieb und spielt regelmäßig alle erforderlichen Updates und Releases ein. Auf dieser klar definierten Basis installiert der Kunde seine Anwendungen und steuert deren Betrieb. Um mehr muss er sich nicht kümmern.
  • Noch eine Ebene höher ist „Software as a Service“ (SaaS) angesiedelt: SaaS bietet ein vollständiges Produkt, das von einem Serviceanbieter ausgeführt und verwaltet wird. In den meisten Fällen bezieht sich SaaS auf Endbenutzeranwendungen.

 

Mit einem SaaS-Angebot müssen sich Kunden keine Gedanken mehr über die Einrichtung und Wartung des Service machen. Es spielt auch keine Rolle, welche Software- und Hardware-Komponenten dafür erforderlich sind oder wie die zugrunde liegende Infrastruktur verwaltet wird. Man kann sich einzig und allein auf die Nutzung der jeweiligen Software konzentrieren. In Zusammenhang mit Branchenlösungen ist dies deshalb häufig das präferierte Modell, und dieser Anzug passt perfekt.

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